KOF - Kinderorientierte Familientherapie

Kinderorientierte Familientherapie – auch kurz KOF genannt – führt die Kinderperspektive in die familientherapeutische Arbeit ein und ist geeignet für Familien mit Kindern im Spielalter (bis zu ca. 10 Jahren), die bei gewöhnlichen Familiengesprächen leicht „untergehen“.

Es vereint Elemente klassischer Spieltherapie und systemischer Familientherapie.

Hierzu spielt zunächst der Therapeut alleine mit dem Kind, zeichnet die Spielsequenz auf Video auf und bespricht die Videosequenz mit den Eltern, um Parallelen zum Alltag der Familie herzustellen. Später spielen Eltern und Kind gemeinsam. Hierin zeigen sich familiäre Interaktionsmuster ebenso wie die innere Welt des Kindes. Der Therapeut kann mit seiner Alter-Ego-Figur unterstützend in das Spiel einsteigen.

Näheres unter www.kinderorientierte-familientherpie.de

Der Kurs liefert ein vertieftes Verständnis für das Spiel des Kindes und seinen Nutzen für die Familientherapie. Darüber hinaus wird das Spiel mit seinen Implikationen für die systemische Arbeit in Rollenspielen eingeübt. Die Video-Analyse in Kooperation mit den Eltern wird ebenso trainiert wie das gemeinsame familiäre Spiel.

Zwischen den Blöcken werden die einzelnen Elemente mit Familien eingeübt. In den Blöcken zwei bis vier besteht die Möglichkeit, diese Praxiserfahrungen zu supervidieren.

 

 

Fortbildungsinhalte

1. Blockseminar: Einführung, Spiel mit dem Kind (vier Tage)

Gruppenfindung, Ablauf, Hintergrund, Ausrüstung und differentielle Indikation der Kinderorientierten Familientherapie

In diesem Modul steht das Spiel mit einem einzelnen Kind im Vordergrund:

Einführung in das Spiel, eigene Spielerfahrungen und –vorlieben,

  • Umgang mit „schwierigen“ Kindern:

    • Wie kann ich mit der fünfjährigen Emily spielen, die nichts sagt und keine Figur in die Hand nimmt?
    • Was mache ich mit dem neunjährig Leon, der ständig meine Grenzen überschreitet und Sand durch die Gegend wirft?
    • Kevin ist so schnell beim Aufbauen, dass plötzlich der ganze Sandkasten voll ist, bevor ich mir erst eine Figur ausgewählt habe?

  • Die Rolle der therapeutischen Alter-Ego-Figur,
  • Auswertung des kindlichen Spiels: Was sagt es über sich selbst, über sein Anliegen in der Therapie und über mögliche Lösungswege?

    • Wie kann ich verstehen, was Laura dort spielt?

    • Sind die aggressiven Spiele ein Hinweis auf eigene erlebte Gewalt?
    • Wieso wählt Hassan einen Tiger und einen Polizisten als Figuren aus?
  • Das Nachgespräch mit den Eltern:
    • Welche Parallelen zum Alltag zeigt das Spiel? Was erkennen die Eltern in ihrem Kind wieder? Was bedeutet dies für die weitere Therapieplanung?
    • Wie leite ich die Auswertung an? Worauf muss ich achten?
    • Was ist die Rolle der Eltern?

 

2. Blockseminar: Familiäres Spiel, Nachbesprechung, Praxisvorbereitung (3 Tage)

Der Hauptinhalt dieses Moduls ist das familiäre Spiel:

  • Eigene Haltung zum Spiel mit einer Familie (Gefühle, Gedanken)
  • Gewinnung der Eltern für das Spiel,
  • Das familiäre Spiel:

    • Was mache ich mit Herrn Müller, der seine siebenjährige Tochter fortwährend abwertet?
    • Frau Meier will oder kann gar nicht richtig spielen.
    • Melanie zeigt sich so anders als im ersten Spiel mit mir. Was bedeutet das?
    • Wenn Leon auch die Grenzen der Eltern so überschreitet, wie helfe ich Ihnen bei einer guten Grenzsetzung?

  • Die Rolle der therapeutischen Alter-Ego-Figur: wann greift sie in das Spiel ein? Wie kann sie steuern ohne die Autonomie und den Selbstwert der Eltern einzuschränken?
  • Auswertung des familiären Spiels, Vorbereitung des nächsten Spiels
  • Was erkennen die Eltern in ihrer familiären Spielinteraktion wieder? Welche Parallelen zum Alltag gibt es?
  • Was müsste im Spiel anders laufen, um einer Lösung näher zu kommen? Was könnte dafür die Rolle der therapeutischen Alter-Ego-Figur sein?
  • Wie komme ich mit Kinderorientierte Familientherapie in Gang?
  • Rahmenbedingungen, Auswahl von Fällen, Vorbereitung der Eltern im Einzelfall etc.

Pause zwischen den Blockseminaren

Die Pausen zwischen den Blockseminaren dienen der praktischen Arbeit. Alle Teilnehmenden sollen in dieser Zeit mit Kinderorientierter Familientherapie arbeiten. Diese Praxis soll in den folgenden Blöcken reflektiert werden. 

 

3. Blockseminar: Das Spielgespräch, Video-Auswertung (3 Tage, nach längerem Abstand zu Modul 2)

  • Das Spielgespräch;
  • Vorgehen – Demonstration und Einübung
  • Einsatzmöglichkeiten

    • Visualisieren umschriebener Situationen: Louisa erzählt, wie der letzte Streit mit Papa abgelaufen ist, Lina zeigt, wie es ihr geht, wenn ihre Eltern streiten, der fünfzehnjährige Mohammed erläutert, wieso er in der Schule in eine Prügelei geraten ist…
    • Zeigen innerer oder äußerer Konflikte: Frau S. zögert, ob sie ihren Beruf wechseln soll, Lukas möchte weniger frech sein, schafft dies aber nicht etc.
    • Einüben alternativer Verhaltensweisen: Mohammed probiert im Spielgespräch Alternativen zur Prügelei aus, Lukas versucht, Unterstützung bei anderen einzufordern etc.

Auswertungsraster für Spielsequenzen in der Kinderorientierten Familientherapie – Anwendung auf eine kindliche Spielsituation und/oder eine familiäre Spielsequenz (Video-Analyse)

Ein Tag Supervision – gerne anhand von Videos der Teilnehmer/innen, aber auch über Fälle, aufgetretene Problemkonstellationen etc.

 

4. Blockseminar: größere und problematische Systeme (4 Tage)

Arbeit mit Kooperationspartnern: Der Kindergarten möchte in die Behandlung einbezogen werden, die Klassenlehrerin hat ein ungünstiges Problemverständnis, das Kind zieht vom Heim zurück in die Ursprungsfamilie, die Eltern sind getrennt, beide Eltern wollen einbezogen werden, etc.

Einbeziehung von Geschwistern: Generelle Regeln, Fallbeispiele, Rollenspiele

Besondere Symptome: Umgang mit Grenzverletzungen, Kinder mit mutistischen Störungen, Kinderorientierte Familientherapie mit Symptomgruppen aus den Reihen der Teilnehmer/innen.

Das Bild der gemeinschaftlichen Handlung zur Verdeutlichung von familiären Grenzkonflikten.

Ein Tag Supervision und Abschluss (Fallvorstellung)

Zielgruppe und Zugangsvoraussetzungen

Zielgruppen

Fachkräfte aus der Jugend- und Familienhilfe, die mit Familien und Kindern im Alter von 4-10 Jahren beraterisch / therapeutisch arbeiten oder arbeiten wollen, z. B. Familien- und Kinder­therapeut/innen sowie –berater/innen, Aufsuchender Familientherapie, Sozialpädagogischer Familienhilfe

 

 

Zugangsvoraussetzungen

  • eine abgeschlossene Berufsausbildung / oder Studium und eine mindestens 3- jährige Berufstätigkeit / Praxiserfahrung
  • Familientherapeutische oder –beraterische, kindertherapeutische systemische Weiterbildung (in Einzelfällen auch andere therapeutsich/beraterische Weiter­bildungen)
  • Die Fähigkeit zur Allparteilichkeit und zur Ressourcenorientierung in der Arbeit mit Familien.
  • Erfahrung in der Arbeit mit Kindern
  • Selbsterfahrung
  • Möglichkeit der Fallarbeit mit Kindern im Alter von 4-10 Jahren

 

 

 

Organisatorische Hinweise, Kosten und Termine

Dauer / Umfang: 2 x 4 und 2 x 3 Tage, ca. ein Jahr, insg. 112 UStd.
Ort:Tagungshaus des ifs in Essen-Steele
Kosten: € 1.750,- (zahlbar in Raten)
Förderung: Es besteht die Möglichkeit der Förderung durch den NRW Bildungsscheck oder die Bildungsprämie.
Termine:

Block 1  16.03. - 19.03.2017

Block 2  29.06. - 01.07.2017

Block 3  09.11. - 11.11.2017

Block 4  01.03. - 04.03.2018

Referent/in:

Bernd Reiners

Diplom-Psychologe, Fachpsychologe für klinische Psychologie und Psychotherapie (BDP), Europäisches Zertifikat für Psychotherapie (ECP), Familientherapeut (DGSF), Lehrtherapeut für systemische Therapie (DGSF), Supervisor (DGSv, DGSF), Leiten und Beraten von Gruppen (DAGG)

 

              

Anmeldung

Hier können Sie sich zur Infoveranstaltung anmelden.

Wenn Sie sich direkt (ohne den Besuch der Infoveranstaltung) für die Fortbildung bewerben möchten oder noch Fragen haben, schreiben Sie uns bitte eine E-Mail über das Kontaktformular !

08.12.2016 - 08.12.2016 in Essen Jetzt Anmelden