24.04.2017_Multisystemische Therapie MST

 

In Familien, die uns im Jugendhilfekontext begegnen finden sich sehr oft Jugendliche mit einer schweren Störung des Sozialverhaltens. Jugendliche die sich schlecht in der Schule integrieren können, Wutausbrüche haben, Forderungen von Erwachsenen (Lehrern und Eltern) verweigern, Ärger und Groll hegen, rachsüchtig sind, Lügen und körperliche Auseinandersetzungen haben, Tierquälerei zeigen oder körperliche Grausamkeiten gegenüber Menschen begehen etc. Um Jugendliche mit dieser Störung des Sozialverhaltens oder einem schweren Substanzmissbrauch wirksam und effizient behandeln zu können, braucht es ein Therapieprogramm, das sich um die Einflussfaktoren aus allen Systemen gleichzeitig kümmert. Dies ist der sozusagen namensgebende Grundgedanke, der multisystemischer Therapie MST zugrunde liegt! MST wurde von Scott Henggeler vor 30 Jahren mit dem primären Fokus auf einer Störung des Sozialverhaltens entwickelt (Henggeler et al. 1986). Dabei wird die Tatsache therapeutisch genutzt, dass der Jugendliche noch in einer gewissen elterlichen Abhängigkeit steht. Es ist schon sehr viel gewonnen, wenn sich die Erwachsenen aus allen Systemen koordinieren und gemeinsam handeln. Die Wirksamkeit und Effektivität von MST wurde seither in unzähligen randomisiert kontrollierten Studien nachgewiesen. Katamnesen bestätigen, dass auch 21 Jahre später noch deutliche Therapieeffekte nachweisbar sind, ebenfalls bestätigen zahlreiche Metaanalysen die hohe Wirksamkeit.   

In dem sorgfältigen Behandlungsplan nach MST wird ständig überprüft, welche kleinen Schritte entsprechende Verhaltensänderungen beim Jugendlichen bewirken. Die meist multifaktorielle und mehrdimensionale Dynamik wird durch das verfeinerte System beherrschbar und der Therapeut verliert nicht die Orientierung. Das konsequente Handeln mit evidenzpassierten Techniken und Instrumenten, das ständige und mehrschichtige Überprüfen des Therapieprogrammprozesses machen rasche und tiefgehende Verhaltensänderungen möglich.  

Das MST Team leistet gemeinsam einen 24-Stundendienst 365 Tage im Jahr. Dieser Bereitschaftsdienst für alle Familien, die in Behandlung stehen, ist für die oft verzweifelten Familien eine enorme Sicherheit und Rückendeckung. Therapie ist dann häufig am wirksamsten, wenn diese Krisen unmittelbar am Laufen sind, was selten zu Bürozeiten unter der Woche, sondern eher nachts und an Wochenenden der Fall ist. Der Therapeut kümmert sich um alle relevanten Systeme, die Einfluss auf das Problemverhalten des Jugendlichen haben. Die Familie bekommt die Therapie vor Ort angeboten aus einer Hand, muss sich nicht verzetteln auf verschiedene Spezialisten und Berater in unterschiedlichen Systemen. Die oft erschöpften und verzweifelten Familien, die selber schon vieles versucht hatten, dabei aber gescheitert sind, brauchen die Sicherheit und die hohe Präsenz, das intensive Engagement des Therapeuten. Dieser stützt seine Interventionen auf das gesamte Behandlungsteam, die regelmäßige intensive Supervision, den Rückhalt des MST-Experten und das Wissen im langjährig entwickelten MST-Manual.

Viele Ideen und Anregungen lassen sich aber auch in anderen Kontexten umsetzen. Interventionen und Konzeptideen aus der MST bereichern jedes Konzept aufsuchender Familientherapie. In der Regel führt es zu einem stringenteren und eindeutigeren Vorgehen in der therapeutischen Situation mit der Familie und den Jugendlichen. Die Eltern werden dabei befähigt ihre Elternrolle deutlicher zu beschreiben und sich eindeutiger und sicherer gegenüber den Jugendlichen zu verhalten.

 

Aufbau:

Nach einer Einführung in das Krankheitsbild Störung des Sozialverhaltens und in die theoretischen Grundlagen von MST, werden die eigentliche MST Behandlung von  Indikationsstellung, Abklärungsphase, eigentliche Behandlung bis Abschlussphase an Fallbeispielen dargestellt. Im Anschluss werden wir die politischen Grundvoraussetzungen vor der Implementation diskutieren und es gibt einen Ausblick über Adaptionen dieses vielversprechenden Therapieansatzes.

 

Buchtipp: http://www.hogrefe.de/programm/stoerung-des-sozialverhaltens-bei-jugendlichen.html

 

 

Referent:

Dr. Bruno Rhiner engagiert sich seit längerem für aufsuchende Therapieangebote im Fachgebiet und war wesentlich beteiligt, dass die multisystemische Therapie sowohl für die sozialauffälligen Jugendlichen als auch im Kinderschutz im deutschsprachigen Raum eingeführt wurde.  

Organisatorisches

Referent/in:Dr. Bruno Rhiner
Termin:Mo, 24.04.2017
Ort:Essen
Dauer: 1 Tage / 8 UStd.
Kosten:

98,00 EUR *

90,00 EUR für DGSF / SG - Mitglieder

In den Kosten sind ein Mittags-Imbiss und Pausengetränke enthalten.
PTK - Fortbildungspunkte:

Dieser Fachtag wurde durch die Psychotherapeutenkammer NRW als Fortbildungsveranstaltung akkreditiert.

Approbierte Psychotherapeuten/innen können sich 6 Fortbildungspunkte anrechnen lassen.

* TeilnehmerInnen und AbsolventInnen von mehrjährigen ifs-Weiterbildungen zahlen den reduzierten Preis, wenn Sie bei der Buchung im Buchungsformular unter „Zusatzinformationen“ ihre ifs-Kursnummer angeben!