Pressemitteilungen

Weitere Absolventinnen des Ausbildungsgangs ‚Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie‘ haben die staatliche Abschlussprüfung erfolgreich absolviert.

 

Beide Kolleginnen dürfen nun als Systemikerinnen die Approbation beantragen. Wir gratulieren herzlich!

Nach der schriftlichen Abschlussprüfung haben die beiden im Mai in Essen vor der zuständigen Prüfungskommission nun auch die abschließende mündliche Prüfung erfolgreich abgelegt und dürfen fortan als approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen tätig sein. Wir danken den beteiligten Prüfern und gratulieren den Kolleginnen, denen wir viel Glück und Erfolg auf dem weiteren beruflichen und systemischen Weg wünschen!

 

Nachdem der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen im vergangenen November positiv über die Zulassung der Systemische Therapie für Erwachsene als anerkanntes Psychotherapieverfahren entschieden hat, wird hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft auch die Anerkennung für den Bereich Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie folgen. Dies wäre zumindest sehr zu wünschen, und zwar nicht nur für die engagierten Kolleginnen und Kollegen in den Ausbildungsgängen, sondern auch die zahlreichen jungen Patientinnen und Patienten sowie deren Familien, die dringlich auf einen Therapieplatz warten.

 

Im Foto: Absolventen und Prüfer der mündlichen Prüfung im ifs im Frühsommer 2019 (von li. nach re.: Reinert Hanswille, Anni Michelmann, Petra Kurpick, Derya Gök, Wilhelm Rotthaus und Christoph Arning)

 

 

Pressegespräch zur Premiere des Essener Lehrbuchs "Handbuch Systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie"

Anlässlich der Premiere des Handbuchs fand heute in Essen ein Pressegespräch statt.

 

Essener Lehrbuch feiert Premiere

Professoren und Praktiker gehören zu den Autoren

 

Essen hat eine Reihe von kleinen und großen Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmalen, so auch dieses: Im bekannten Schieferhaus am Steeler Dreiringplatz (der früheren Wisthoffschen Villa) residiert schon seit vielen Jahren ein Ausbildungsinstitut für Berater und Therapeuten.

Das Institut für Systemische Therapie, Supervision und Organisationsentwicklung (ifs) ist die erste und neben einem weiteren Institut in Berlin auch die bundesweit einzige staatliche Ausbildungsstätte, in der Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche auf dem Gebiet der Systemischen Therapie ausgebildet werden; dem Verfahren also, das vor allem auf die Einbeziehung der Familien wert legt und die Beziehungen der Betroffenen in den Mittelpunkt rückt.

„Es war schon Pionierstimmung, als wir vor vier Jahren mit dem ersten von nun drei Ausbildungskursen gestartet sind“, resümiert der Leiter des Institutes Reinert Hanswille. Immerhin handelt es sich um eine fünfjährige Teilzeitausbildung im Umfang von 4.800 Stunden, für die es Interessenten zu finden galt und die mit einer staatlichen Prüfung abschließt. „Wir wollten damit aber auch einen Beitrag leisten, die psychotherapeutische Versorgung zu verbessern“, so Hanswille. Nach bestandener Prüfung sind die Absolventen nämlich in der Lage, sich in einer Praxis niederzulassen oder auch in Institutionen eigenverantwortlich Psychotherapien mit Kindern und Jugendlichen durchzuführen. Nur die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen stellt ein Problem dar, da noch nicht über die Aufnahme der Systemischen Therapie in den Leistungskatalog entschieden wurde.

Um die Ausbildungsinhalte auch weitergeben und in größerem Rahmen nutzen und thematisieren zu können, entstand die Idee eines eigenen Lehrbuches. „In Deutschland gab es zwar das ein oder andere Werk zur Systemischen Therapie mit Kindern und Jugendlichen, jedoch kein wirklich umfassendes Kompendium als Lehrbuch.“ Viele Dozenten der Ausbildungskurse beteiligten sich, und so liegt druckfrisch das „Handbuch Systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie“ vor, das im renommierten Göttinger Verlag Vandenhoeck & Ruprecht erschienen ist und von Reinert Hanswille herausgegeben wird.

 

Auch einige weitere Essener Experten sind unter den Autoren, so der Chefarzt der Werdener Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Christoph Arning oder der Essener Caritasdirektor und SkF-Geschäftsführer Björn Enno Hermans, der zugleich auch der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) ist.

„Wir brauchen dringend eine Erweiterung der psychotherapeutischen Versorgung, um dem Bedarf vor allem bei Kindern und Jugendlichen gerecht werden zu können“, ist sich dieser sicher. „Vor allem müssen wir den Blick dabei stärker auf die Umgebung und deren Einfluss und Anforderung richten, wie es die Systemische Therapie tut“, ergänzt Hermans. Gemeint sind damit neben den Familien vor allem Schulen, Kindertagesstätten und andere wichtige Bezugssysteme und Entwicklungsräume für die Kinder und Jugendlichen.

Die psychosoziale und therapeutische Versorgung wird immer schlechter – Kinder und Jugendliche und ihre Familien werden allein gelassen, wenn sie therapeutische Hilfe benötigen.

Einige derzeit diskutierte Planungen stehen einer solchen Forderung entgegen:     Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz der Bundesregierung, das zur Zeit diskutiert wird und noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden soll, sieht in seinen Auswirkungen vor,  in NRW  1740  Praxen für Psychotherapie zu schließen, allein 378 im Ruhrgebiet. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Psychotherapie bei Erwachsenen und besonders bei Kindern und Jugendlichen und ihren Familien. Die höhere berufliche Belastung, die Zergliederung der Gesellschaft, die fortschreitenden Entfremdungsprozesse im Gemeinwesen und ähnliches führen zur höheren Belastung der Familien und zu verstärkten psychischen Erkrankungen in den Familien. Schulen, Kindertagesstätten, Jugendhilfe beklagen die steigende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die Auffälligkeiten oder psychische Störungen zeigen. Lange Wartezeiten  führen zur Chronifizierung oder Verhärtung der Störungsbilder und Konflikte. Die dann eingeleitete Behandlung dauert länger und ist von weniger Erfolg gekennzeichnet.

Das Erscheinen des Handbuchs „Systemische Kinder- und Jugendlichen­psycho­therapie“ wollen Institutsleitung und Autoren auch zum Anlass nehmen, auf diese Problemlagen aufmerksam zu machen. „Vor allem im Bereich der therapeutischen Angebote für Familien wäre vieles einfacher, wenn die Systemische Therapie zum kassenfinanzierten Regelangebot gehören würde“, sind sich Institutsleiter Hanswille und DGSF-Vorsitzender Hermans einig. Das Essener Lehrbuch liefert also auch einen Beitrag in genau diese Richtung.

 

Kontakt: Reinert Hanswille, Tel. 0201 – 848 65 60 oder info@ifs-essen.de

Günter Presting (Bereichsleitung Psychologie des Verlages Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG) überreichte feierlich das Buch.
Reinert Hanswille (Institutsleiter des ifs und Herausgeber des Handbuchs) und Björn Enno Hermans (Mitautor des Handbuchs, Trainer im ifs, Essener Caritasdirektor und SkF-Geschäftsführer sowie Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie) berichteten der Presse über das Handbuch.