Traumatherapie

Was ist Traumatherapie?

Die Traumatherapie hat sich in den vergangenen Jahren einen festen, inzwischen nicht mehr wegzudenkenden Standort in der Psychotherapie verschafft. Heute geht man davon aus, dass viele somatische, psychische und soziale Symptome und Probleme auf Traumatisierungen zurückzuführen sind.

Unter Trauma versteht man heute ein

„Vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und eigenen individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit dem Gefühl von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltbild bewirkt.“ (G. Fischer. & P. Riedesser 1998).

Es wird zwischen verschiedenen Arten von Traumata unterschieden:

Traumatyp I handelt von einmaligen und völlig unerwartet auftretenden Ereignissen wie z. B. der plötzliche Tod eines Kindes, der Autounfall, das Flugzeugunglück, ein Terroranschlag, invasive medizinische Eingriffe.

 

Traumatyp II handelt von Situationen, die längere Zeit – unter Umständen jahrzehntelang – andauern und aus denen es kein Entrinnen gibt. Beispiele sind Krieg, sexuelle Gewalt, Gewalterfahrungen in der Familie, Vertreibung, Folter, Gefangenschaft, Geiselnahme, Vernachlässigung im frühen Kindesalter, bedrohliche Mobbing-Situationen und auch langjährige Arbeitslosigkeit.

Wichtig sind hier auch die tiefgreifenden Bindungstraumata zwischen Kindern und Eltern, die sich nicht ausreichend um das psychische/physische/soziale Wohl ihrer Kinder kümmern oder aufgrund eigener Erkrankungen kümmern können.

 

An dieser Stelle sollen auch die Forschungsergebnisse aus der mehrgenerationalen Traumaweitergabe erwähnt werden. Dort konnte gezeigt werden, dass sogenannte Traumafolgestörungen nicht selten über mehrere Generationen weitergegeben werden – selbst dann, wenn die Kindergeneration nicht selbst traumatisiert ist.

Noch schwerwiegender aber sind die Situationen, in denen traumatisierte Eltern ihre Kinder selbst durch Gewalt, Vernachlässigung, Bindungsabbrüche etc. erneut schädigen. An diesem Punkt wird die Bedeutung der Traumatherapie für die Jugendhilfe am notwendigsten und offensichtlichsten.

Nach traumatischen Erlebnissen kann es zu verschiedenen posttraumatischen Symptomen kommen.

 

 Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko, eine Traumafolgestörung zu entwickeln (siehe dazu M. Huber, 2003, S. 83):

 

1. Faktoren vor dem Trauma:

  • Geringe soziale Unterstützung
  • „Schicksalsschläge“
  • Armut der Eltern
  • Vorherige Deprivation oder Misshandlung in der Kindheit
  • Dysfunktionale Familienstrukturen
  • Familial-genetische Geschichte psychischer Störungen
  • Introversion oder extrem gehemmtes Verhalten
  • Geschlecht weiblich
  • Schlechte körperliche Gesundheit
  • Vorherige psychische Störung

2. Faktoren während des Traumas:

  • Länge und Ausmaß und Wiederholung der Traumatisierungen
  • Subjektives Bedrohungsgefühl (z. B. häufig akute Todesangst)
  • Andere, damit verbundene Traumata (z. B. Zeuge der Misshandlung anderer werden, zum Täter an anderen Opfern werden)

3. Faktoren nach dem Trauma:

  • Mangelnde soziale Unterstützung
  • Fortgesetzte negative Lebensereignisse
  • Mangelnde Anerkennung des Traumas durch andere
  • Sekundäre Stressfaktoren wie Schulwechsel, Zerstörung des Zuhauses, wiederholte Bedrohung, Angst vor dem Täter, finanzielle Probleme.

Ziele und Grundideen von Traumatherapie:

  • Erleben einer sicheren therapeutischen Beziehung
  • Stabilisierung des Klienten und des Familiensystems
  • Orientierung im Hier und Jetzt (statt gefangen in der Traumavergangenheit)
  • Unterscheidung von realen und inneren Bedrohungen
  • Wiedererlangung sozialer und psychischer Kompetenzen mit dem Ziel besserer Alltagsbewältigung
  • Stärkung der eigenen Ressourcen, um sich in Zukunft besser zu schützen
  • Erlernen von Selbstberuhigung, Selbsttröstung, Selbsthilfe und Selbstfürsorge
  • Selbsterleben von Kontrolle und Sicherheit
  • Erlernen von Kontrolle über physiologische Erregung und ihre Affekte
  • Stabilisierung des Familiensystems, um weitere Trigger und Retraumatisierungen zu vermeiden
  • Fähig werden, dem Unaussprechlichen Worte zu geben.
  • Vermeidung und Management von innerem zusätzlichem Stress

 

Traumatherapeutische Settings und Ansätze:

 

Wir arbeiten sowohl einzeln mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen als auch mit entsprechenden (Teil-)Systemen. Dabei nutzen wir unterschiedliche anerkannte traumatherapeutische Ansätze, z. B. die psychoimaginative Traumatherapie (PITT) nach L. Reddemann, Hypnotherapeutische Zugänge (M. Huber), das Konzept der Strukturellen Dissoziation (E. Nijenhuis), Ego-State-Ansätze (J. Watkins, Watson, M. Phillips) und Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) nach E. Shapiro, u. a.

 

 

Professionalität der MitarbeiterInnen:

 

In Psychotraumatologie ausgebildete TraumatherapeutInnen mit Grundausbildungen in einem der Psychotherapieverfahren wie z. B. der Systemischen Ausbildung. Die Therapeuten/innen haben neben einem breiten psychotherapeutischen Erfahrungshintergrund spezielle Kenntnisse in Psychotraumatologie erworben und arbeiten mit Trauma-Verfahren in unterschiedlichen Settings am System orientiert. Hierbei hat Beratung und Psychoedukation einen wesentlichen Stellenwert.

 

 

Kosten und Rahmenbedingungen

  • Wenn Sie eine Traumatherapie oder Diagnostik bei uns machen möchten, setzen Sie sich mit uns in Verbindung.
  • Wir verabreden dann eine Termin mit Ihnen.
  • In der Regel ersetzt die gesetzliche Krankenkasse keine Kosten.
  • Privatversicherungen übernehmen in den meisten Fällen die Kosten.
  • Privatzahler müssen mit ca 120,00 Euro je Stunde rechnen.

Symptome von Traumafolgestörungen

Symptome der PTBS, die die Nähe zum Trauma vermeiden (Konstriktion):

  • phobische Vermeidung von traumaassoziierten Stimuli (“Triggern“)
  • soziale Isolation
  • emotionale Empfindungslosigkeit
  • Alkohol-, Drogen-, Medikamentenmissbrauch
  • Dissoziative Phänomene (z. B. amnestische Lücken)

Symptome der PTBS, die eine Nähe zum Trauma herstellen (Intrusionen):

  • Flash-Backs
  • Albträume
  • Panikattacken
  • Affektintoleranz
  • Zwanghaftes Erinnern/trauma-wiederholendes Spiel
  • Depression

Physiologische Reaktionen:

  • Herzrasen, Atemnot, Beklemmungen
  • Unruhe, Schlaflosigkeit
  • Übersteigerte Wachsamkeit (Vigilanz)
  • vermehrte Reizbarkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Kraftlosigkeit, Leistungsversagen
  • Schmerzen, Taubheits-, Starreempfindungen,
  • andere Körpersensationen („somatoforme Störungen“)