Approbation
 

Grußworte

Grußwort von Frau Ministerin von der Leyen

Grußwort

der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,

Dr. Ursula von der Leyen,

anlässlich der

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Familientherapie und Systemtherapie

vom 10. bis 13. September 2008 in Essen

Unter dem Motto „Systemische Hirngespinste – Neurobiologische Impulse und andere Ideen für die Systemische Theorie und Praxis“ werden Sie den Einfluss der neurowissenschaftlichen Forschung auf Beratung und Therapie diskutieren. Ich begrüße es außerordentlich, dass dabei im Mittelpunkt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, älteren Menschen und Familien steht.

Der gesellschaftliche Wandel bringt heute gravierendere Herausforderungen mit sich als früher. Das Tempo der Veränderungen scheint sich beschleunigt zu haben und stellt die Menschen immer wieder auf die Probe, mit neuen Situationen fertig zu werden, mögliche Vorteile von Veränderungen zu erkennen und zu nutzen. Mitten im gesellschaftlichen Wandel steht die Familie: Sie erleidet ihn, muss ihn aushalten, gestaltet ihn aber auch mit und ist nicht selten eine der Antriebskräfte. Wenn Familientherapie Probleme in Familien erfolgreich behandeln will, muss sie sich auf diese dynamische Situation einlassen. Systemisches Denken in der Familientherapie findet in dieser Bewegung seinen Ausgangspunkt. Systemische Therapie und Beratung trachten danach, einen Menschen oder eine Familie in ihrem „System“, im Gefüge ihrer Beziehungen, Beziehungskonstellationen und Beziehungsgeschichten zu sehen: eine Herangehensweise, die unserer Zeit, der Situation und Bedeutung der Familie in unserer Zeit angemessen ist.

Ähnlich rasch wie der gesellschaftliche Wandel vollzieht sich der wissenschaftliche Fortschritt, gerade in den Neurowissenschaften. Was passiert im Gehirn, wenn wir uns entscheiden, wenn wir denken, handeln, lernen, lieben, leiden? Wie verändern die neurowissenschaftlichen

Erkenntnisse unsere Vorstellungen von Bewusstsein, Freiheit oder Moral? Lassen sich die Annahmen, auf denen therapeutische Ansätze fußen, überhaupt noch halten? Die Herausforderung der Neurobiologie ist die vielleicht spannendste Diskussion zwischen Natur-und Gesellschaftswissenschaften heute – und eine Diskussion, die für Beratung und Therapie vermutlich nicht ohne Folgen bleiben wird.

Ein großes Thema also haben Sie sich für die 8. wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie ausgesucht. Systemisches Denken allerdings beginnt nicht erst jetzt, Verbindungen zu sehen und zu suchen: zwischen Psychologie, Soziologie und Kybernetik, zwischen Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Systemisch zu denken, ist gewiss nicht die schlechteste Voraussetzung, um auch für die aktuelle Runde der Diskussion gut gerüstet zu sein. Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Jahrestagung offene Diskussionen und viele Anregungen für die eigene Praxis – die meisten kreativen Neuerungen beginnen schließlich mit einem Hirngespinst! Dem Institut für Familientherapie, Systemische Supervision und Organisationsentwicklung in Essen, das die Jahrestagung ausrichtet, gratuliere ich bei dieser Gelegenheit ganz herzlich zum 20-jährigen Bestehen.

Grußwort von Herrn Minister Laschet

Die Erkenntnis ist nicht neu, gewinnt im Zeitalter des demografischen Wandels aber eine neue Aktualität: Die Familie ist der Kern der Gesellschaft. Sie ist der Ort, wo das Zusammenleben der Generationen eingeübt, Miteinander erfahrbar wird und Sinn stiftende Werte gelebt werden können. Wenn dies gelingt, profitiert die gesamte Gesellschaft.

 

Welchen Beitrag kann die Politik leisten? In einer schnelllebigen und komplizierter werdenden Lebenswelt kann sie den Familien helfen, Familie zu leben – durch die Schaffung besserer Rahmenbedingungen. Deshalb setzt das nordrheinwestfälische Familienministerium auf die Bündelung und Vernetzung verschiedener Angebote. Ein gutes Beispiel hierfür sind die neuen Familienzentren. Sie sind nicht nur für die Betreuung und Erziehung von Kindern da. Auch Eltern bekommen Rat und pädagogische Hilfe. So vernetzen Familienzentren Betreuung, Bildung und Beratung. Einige bieten dies sogar unter einem Dach an.

 

Einen systemischen Ansatz verfolgen wir auch mit dem Ausbau sozialer Frühwarnsysteme. Sie verknüpfen Dienste der Familien- und Jugendhilfe mit dem Gesundheitsbereich und weiteren Institutionen, wenn es um das Erkennen, Warnen und Handeln bei Überforderungs- oder Gefährdungssituationen in einer Familie oder in der Nachbarschaft geht.

 

Sie, die Mitglieder, Förderer und Gäste der Deutschen Gesellschaft für Systemische- und Familientherapie, blicken bei Ihrem diesjährigen Kongress auf neue Forschungsergebnisse und fragen, welche Auswirkungen dieses Wissen auf Ihre Arbeit hat. Ich wünsche Ihnen hierbei viel Erfolg und ein gutes Gelingen. Ich bin sicher, dass die Erkenntnisse dieses Kongresses der Familienberatung und -therapie viel weitere wichtige Impulse liefern.

 

Grußwort vom Oberbürgermeister der Stadt Essen Dr. Wolfgang Reiniger

Grußwort

 

 

Willkommen in Essen!

Ich freue mich, dass Ihre 8. Wissenschaftliche Jahrestagung hier in der Ruhr-Metropole stattfindet und begrüße alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr herzlich.

 

Die Anforderungen an die Gesellschaft und an die Menschen steigen – und damit wächst auch die Belastung der Familien. Wenn dann Probleme auftreten, können diese oftmals nicht allein von den Familienmitgliedern bewältigt werden. Hier ist Hilfe von außen gefragt. Effektive Unterstützung kann die Familientherapie bieten, denn ihre unterschiedlichen Ansätze und Methoden sind genau auf die Bedürfnisse von Eltern und Kindern zugeschnitten. Sie will Wege aus der Krise weisen.

 

Seit 20 Jahren leistet das Essener Institut für Familientherapie, Systemische Supervision und Organisationsentwicklung erfolgreiche Arbeit. Das ifs ist wichtiger Impulsgeber und stärkt das gut ausgebaute und abgestimmte Netz psychosozialer und psychotherapeutischer Beratung und Behandlung in unserer Stadt.

 

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie lädt zu Gesprächen und Diskussionen ein. Ich wünsche einen regen Gedankenaustausch mit guten Ergebnissen für die Praxis und allen einen angenehmen Aufenthalt in Essen.

 

 

Dr. Wolfgang Reiniger

Oberbürgermeister

 

Essen im September 2008

Grußwort des DGSF Vorsitzenden Prof. Dr. Jochen Schweitzer

Grußwort des Vorsitzenden der DGSF zur Essener DGSF-Jahrestagung "Systemische Hirngespinste"

 

Systemische Therapie und Beratung und Familientherapie finden statt in der Welt zwischenmenschlicher Kommunikation. Da geht es in erster Linie zwischen mehreren Menschen um den zirkulären Austausch von Informationen über Gedanken, Wünsche, Zu- und Abneigungen, Konflikte, Missverständnisse. Welche Rolle spielt dabei, was sich unter der Haut, im Körperinneren der Beteiligten abspielt? Welche Rolle spielen insbesondere die komplexen Austauschprozesse zwischen den unvorstellbar großen Mengen von Nervenzellen, die in unseren Körpern dicht an dicht angesiedelt scheinen?

Darum hat sich unser Feld bis vor einigen Jahren wenig gekümmert. Wie mir scheint, damals durchaus mit guten Gründen. Denn die frühere Neurobiologie lieferte uns überwiegend Wissen darüber, was alles nicht geht, kaputt ist und auch nicht wieder heil wird. Sie beschrieb vorwiegend die Grenzen psychosozialen Handelns. Für Pädagogen und Therapeuten wirkte sie damals eher entmutigend.

Das scheint sich im letzten Jahrzehnt schlagartig geändert zu haben. Entdeckt wurde beispielsweise, dass Hirnareale und Nervenzellverbindungen dort wachsen, wo sie intensiv genutzt werden. Und dass wir Nervenzellen haben, die unser Einfühlungsvermögen in andere Menschen unterstützen. Nun entstehen zwischen Neurobiologie und Systemischer Therapie/Familientherapie neue, anregende Konversationen. Vielleicht sind wir auf dem Weg zu einer "systemischen Therapie interagierender Gehirne"? In der nicht nur der Niederschlag sozialer Erfahrungen in den individuellen Nervensystemen, sondern auch die Passung verschiedener neurobiologischer Stile innerhalb einer Familie oder Organisation zu einem zentralen Thema werden?

Im Namen der DGSF danke ich dem IFS Essen und seinem Leiter Reinert Hanswille, dass sie sich an dieses Thema herangewagt haben. Es zeigt, dass die DGSF sich den neuen Herausforderungen stellt, die Veränderungen in anderen Wissenschaftsdisziplinen für die Systemische Therapie und Familientherapie mit sich bringen. Ich freue mich auch sehr, dass diese Tagung im Herzen des Ruhrgebiets stattfindet. Deutschlands altes industrielles Zentrum, seit langem schon in anfangs schmerzhafter und inzwischen offensichtlich immer erfolgreicherer Transformation, hält ebenfalls zahlreiche Wachstums-Herausforderungen für systemische Therapeuten, Berater, Pädagogen, Sozialarbeiter, Supervisoren und Organisationsberater bereit.

Im achten Jahr ihres Bestehens erlebe ich die DGSF als einen lebhaften und weiterhin im Wachsen begriffenen Fachverband, der sich zugleich wissenschaftlich, berufspolitisch und familienpolitisch engagiert. Vielleicht ist die Essener Tagung auf für Sie, liebe TeilnehmerIn, nebenher auch eine gute Gelegenheit, in die DGSF "hineinzuschnuppern". Sprechen Sie uns darauf an (u. a. am DGSF-Stand auf der Tagung) oder schauen Sie mal unter www.dgsf.org vorbei. Menschen mit Spaß mitzumachen sind uns herzlich willkommen.

 

Prof. Dr. Jochen Schweitzer

1. Vorsitzender der DGSF