Approbation
 

Symposien

Symposion 1:Pro und Contra störungsspezifischer Behandlungsansätze in der Psychotherapie

Prof. Dr. Friedebert Kröger und prof. Dr. Wolfgang Senf:

Moderation: Dr. Susanne Altmeyer 

  

 

Prof. Dr. Friedebert Kröger und Prof. Dr. Wolfgang Senf: Störungsspezifische Behandlungsverfahren – Pro und Kontra

 

Störungsspezifische Behandlungsverfahren prägen das Bild der Psychotherapie zunehmend.

 Was steckt hinter dem Begriff störungsspezifisch? Ist Störungsspezifität gleichbedeutend mit fixer Manualisierung und Entindividualisierung der Behandlung? Und last but not least: Wie steht es um die angebliche überlegene Wirksamkeit störungsspezifischer Verfahren und welche Auswirkung haben sie auf Ausbildung und Identität künftiger Psychotherapeuten.?

Zwei Impulsreferate werden die unterschiedlichen Positionen darstellen, die dann im Plenum und mit den Referenten diskutiert werden können.

 

Symposion 2:Systemische Traumatherapie - Arbeit mit inneren und äußeren Systemen

Annette Kissenbeck und Reinert Hanswille:

Moderation: Gilbert Pregno

 

Annette Kissenbeck: Systemische Traumatherapie mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien

Wie wirken sich Traumatisierungen vor dem Hintergrund von Bindungstheorie, Neurobiologie und Psychotraumatologie auf die kindliche Entwicklung aus? Dieser individuumsorientierten Sichtweise wird eine systemische Perspektive zur Seite gestellt. Auswirkungen von traumatischem Stress in Familien werden anhand von Trauma- und Resilienzlandkarten verdeutlicht und Implikationen einer Traumaperspektive für Diagnostik und Therapie diskutiert. Die Unterscheidung von einfach und komplex traumatisierten Systemen wird durch ein 5-Achsen-Modell erfasst und mit 5 therapeutischen Zugängen kombiniert. Eine systemische Traumatherapie mit Kindern und Jugendlichen orientiert sich an 4 Realisierungsstufen in ihren Familien- bzw. Helfersystemen und bezieht innere wie äußere Systeme mit ein.

 

Reinert Hanswille: Systemische Traumatherapie und Neurobiologie 

Die Traumatherapie gehört zu den Verfahren die wohl am stärksten durch die Neurowissenschaftlichen Forschungen geprägt worden sind. Sowohl in den Auswirkungen von Traumatisierungen auf menschliches Verhalten über die methodischen Zugänge bis hin zu den Erklärungen von Verhaltensmustern und Interaktionen bezieht sich die Traumatherapie auf neurobiologische Ideen. Viele dieser Konzeptionen (Panksepp, Porges, Le Doux u.a.) sind auch für die Systemische Therapie nutzbar und gut integrierbar. Einige dieser Konzeptionen sollen vorgestellt und ihre Bedeutung für die systemische Therapie gezeigt werden. Darüber hinaus sollen traumatherapeutische und systemische Konzepte verknüpft werden. Dabei wird die Bedeutung innerer wie äußerer Systeme für den therapeutischen Prozess gezeigt.

Symposion 3:Was können Systemiker von anderen Psychotherapieverfahren lernen?

Dr. Steffen Fliegel und Dr. Joseph Rieforth

Moderation: Kathrin Löschner

Dr. Steffen FliegelVerhaltenstherapie als psychotherapeutische Kooperationspartnerin? 

Der Veränderungsprozess der letzten Jahre innerhalb der VT orientiert sich an: 

  • der Frage INDIVIDUALISIERUNG und/oder STANDARDISIERUNG
  • der Stärkung der Bedeutung der therapeutischen Beziehung (Stichwort Beziehungsgestaltung)
  • einer stärkeren Orientierung an den Selbstheilungskräften der Betroffenen und ihren eigenen Ressourcen (Können, Wissen, Wollen, Beziehungen, allgemeine Lebenssituation)
  • der Sicht, dass Emotionen und Körper eine Eigenständigkeit haben und einen besonderen Raum in der therapeutischen Arbeit benötigen.
  • der Befriedigung verletzter, frustrierter oder blockierter Grundbedürfnisse (Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle, Lustgewinn und Unlustvermeidung, Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung) 
  • einem stärkeren Einbezug der Ergebnisse der Neurowissenschaften
  • der Berücksichtigung früher Bahnungen psychischer Störungen

An den Themen "Emotionsaktivierung" und "Beziehungsgestaltung" mit Exkurs auf "Körper" sollen die Veränderungen innerhalb der Verhaltenstherapie und die Notwendigkeit der Kooperation mit anderen Therapierichtungen verdeutlicht werden.

 

 

Dr. Joseph Rieforth: Psychodynamische Psychotherapie und Systemtherapie – zwei Seiten einer effektiven Medaille

 

Das Psychodynamische Konzept erfährt durch die neuen Ergebnisse aus der Hirnforschung einen neuen Aufschwung und fordert zum Umdenken im therapeutischen Alltag auf. Die Bedeutung insbesondere unbewusster Prozesse für die Organisation menschlichen Handelns ist unbestritten und lässt keine Zweifel für die Bearbeitung im psychotherapeutischen Prozess offen. Die Existenz von sog. Spiegelneuronen und die Auswirkungen auf die frühkindliche Bindung sowie auf die Frage von Bindungs- und Verbindungsqualitäten im Allgemeinen löst eine neue Debatte über die Analyse von Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomenen im therapeutischen Prozess aus. Diese Ergebnisse machen eine neue Reihe von Interventionsformen notwendig. Bisher liegen allerdings aus psychodynamischer Sicht nur wenige Ideen vor und es besteht eher eine abwartende bis ablehnende Haltung. Die Tiefenpsychologische Psychotherapie (TP) in Kombination mit der Systemischen Therapie hätte die Möglichkeit mit ihren Grundlagen und Interventionsformen den neuen Erkenntnissen gerecht zu werden und in einem Prozess der gleichzeitigen Betrachtung  der „Pathogenese“ und „Salutogenese“ zielorientiert zu intervenieren. Ansätze, wie dies konkret aussehen kann werden aufgezeigt; Erfahrungen, die am Ausbildungsinstitut der Universität Oldenburg gemacht wurden fließen ein.

Symposion 4:Systemsiche Beratung in Unternehmen - Bedeutung von Wertewandel und systemischen Ideen für Veränderungsprozesse

Jörg Middendorf und Ulf Klein:

Moderation: Gisela Keil

 

Jörg Middendorf: reteamingâ in der Organisationsberatung

reteamingâ ist eine Moderationsmethode, die auf die Ideen der lösungsfokussierten Beratung nach DeShazer beruht und von Ben Furhmann und Tapani Ahola entwickelt wurde.

Kernideen sind es die Kraft eines attraktiven Ziels zur Motivation zu nutzen, das Vertrauen in den Erfolg zu stärken, positive Schritte auf dem Weg zum Ziel zu verkünden und geeignete Strategien gegen Rückschläge vorzubereiten. Was vollkommen und mit voller Absicht fehlt, ist eine gründliche Problem- oder Ursachenanalyse am Beginn der Beratung bzw. des Workshops. 

Der Vortrag stell kurz die einzelnen Elemente des reteamingâ dar und wird diese anhand von konkreten Übungen zum Leben bringen!

 

Ulf Klein: Das Dilemma der wertebasierten Unternehmensführung

Wir leben in interessanten Zeiten. Nachdem über Jahrtausende hinweg die Frage der Werte von Religionen und Philosophen beantwortet wurden, sind Wertefragen heute – gerade nach dem »Ende der großen Entwürfe« zum Gegenstand von Unternehmensstrategien und Führungsstilen geworden und stehen zur Zeit besonders im Lichte der Öffentlichkeit.

Für Führungskräfte von Unternehmen ist damit ein Dilemma mehr entstanden: Sie haben spezifische Unternehmenswerte zu erarbeiten und dafür zu sorgen, dass sie eingehalten werden . Sie erlegen damit dem Handeln des Unternehmens und so eben auch eigenen Handeln Beschränkungen auf. Sie geraten dadurch aber immer auch die Versuchung, diese Beschränkungen wieder außer Kraft zu setzen – sei es um scheinbarer persönlicher Vorteile, sei es aus unternehmerisch wahrgenommenen Notfällen heraus. Sie haben die Macht dazu, sollten es aber nicht tun, außer zuweilen, wenn denn ...

 

 

Symposion 5:Beziehungsgestaltung im Zeitalter von Web 2.0 - Wie die neuen Medien die Menschen verändern.

Joachim Wenzel und  Bernd Reiners

Moderation: Renate Zwicker-Pelzer

  

Joachim Wenzel: Neue Kommunikationsformen und Gemeinschaftsbildung: Gesellschaft und Technik im Wandel

 Auch nach neusten Umfragen nimmt die Zahl derer, die sich täglich im Internet bewegen, weiterhin zu. Menschen nutzen das Internet als Medium, um Informationen zu suchen, aber auch um mit potentiellen Gesprächspartnern in Kontakt zu kommen. Immer häufiger kommt es dabei zu unterschiedlichsten Formen der Gemeinschaftsbildung. Nicht selten wird das Netz aber auch zur ersten Anlaufstelle für Menschen in unterschiedlichsten Problemkonstellationen. Die sich bereits herausgebildeten Kommunikationsformen durch die so genannten „neuen Medien“ sollen im Überblick dargestellt werden. Des weiteren wird eine Entwicklungslinie für die Zukunft aufgezeigt, die sich durch die existierende Kommunikationstechnik bereits vorzeichnen lässt.

 

 

Bernd Reiners: Online-Kommunikation in der (schriftbasierten) Online-Beratung

 Anhand konkreter Fallbeispiele werden Besonderheiten der schriftbasierten Kommunikation für die Online-Beratung vorgestellt und erlebbar gemacht. Die Vorzüge der systemischen Beratungsmethoden in der Online-Kommunikation werden beleuchtet. Des weiteren wird gezeigt, inwiefern die Besonderheiten der Online-Kommunikation von den Anwendern genutzt werden. In einem letzten Schritt wird die Frage nach der Entwicklung der Online-Beratung aufgeworfen.

 

 

Symposion 6:Systemische Kinder und Jugendhilfe - zwischen Ressourcenorientierung und Kinderschutz

Prof. Dr. Elisabeth Nicolai und Thomas Rüth

Moderation: Gerda Jerusalem

 

Prof. Dr. Elisabeth Nicolai:Zum Wohl des Kindes - Eltern und Kinder stärken

Wenn die Gefährdung am größten scheint, ist das Eingreifen der Gesellschaft der oft rettende erste Schritt. Doch langfristig müssen Kinder und Eltern gestärkt werden, damit sie die Herausforderungen des Zusammenlebens wieder schaffen. Systemische Jugendhilfe kann dazu beitragen einen zeitlich begrenzten Freiraum für die Familie zu schaffen, um vorhandene Ressourcen und bisherige Lösungen zu entdecken, neue Rahmen zu setzen und bisherige, gewaltbereite Muster zu verändern. Im Vortrag möchte ich Konzepte zeitlich begrenzter Interventionen in der Jugendhilfe vorstellen und diskutieren, die konsequent auf die Stärken der Familie setzen.

 

 Thomas Rüth: Zwischen Kindeswohl und Beratungsbedarf

Die Medienberichterstattung der vergangenen Jahre schockiert die Öffentlichkeit immer wieder mit Meldungen über Kindesmisshandlung, Vernachlässigung bis hin zur Todesfolge. Nach UNICEF – Zahlen sterben in Deutschland jede Woche zwei Kinder an den direkten Folgen innerfamiliärer Gewalt. Häufig wird die Mitwirkung von Problemeltern durch die Androhung von Fremdplatzierung von den Jugendämtern erzwungen. Dass die Annahme einer solchen Hilfe seitens der Familien nicht unbedingt freiwilligt erfolgt und die Kultur eines solchen Hilfeangebotes den Einstieg für kooperatives Arbeiten in den Familien schwierig macht, ist offenkundig. Das asymmetrische Beziehungssystem zwischen Helfer und Klient führt im ungünstigsten Fall dazu, dass der Helfer viel Energie investiert und die Familie nur zum Schein mitwirkt.  Therapeutische Ansätze greifen in diesem Klientel schon lange nicht mehr. Dennoch haben diese Familie auf der anderen Seite einen dringenden Beratungsbedarf, bspw. nach  systemischer Familientherapie. Diese muss jedoch mit altersnaher, niedrigschwelliger, pädagogischer Intervention verbunden werden.