Hauptvorträge
1. Hauptvortrag: Spuren des Erfolgs: was lernt die systemische Praxis von der Neurobiologie
Teils fasziniert-begeistert, teils skeptisch-besorgt blicken Systemiker auf die rasanten Entwicklungen, die die neurobiologische Forschung in unterschiedlichsten Praxisfeldern anstößt. Der Vortrag soll deutlich machen, dass gerade die systemische Praxis von der Neurobiologie in vielem bestätigt wird und gleichzeitig viele spannende, neue Anstöße erhält. Wir werden dabei etlichen alten Bekannten wieder begegnen, und uns mit relevanten neuen Fragen auseinandersetzen wie: Was sagt uns der Talmud über neuronale Netze? Was haben Virginia Satir, Insoo Kim Berg und Maria Aarts mit Dopamin zu tun? Wann wird Selbstreflexivität unbequem? Welche Bilder eröffnen neue Perspektiven? Dürfen Systemikerinnen sagen, wo’s langgeht?
2. Hauptvortrag: Martmeo und Systemische Therapie
Das Marte Meo Programm ist ein praxisnahes Modell mit genauen Angaben zur Unterstützung der Entwicklung in alltäglichen Situationen.
Es ist nützlich für Eltern, die in ihrer eigenen Kindheit nicht die Möglichkeit hatten, Fähigkeiten zu erwerben die man braucht, um Kinder aufzuziehen. Außerdem nützt es Eltern und Professionellen, die Kinder mit speziellen Bedürfnissen aufziehen müssen.
Ich habe den Namen „Marte Meo“ ganz bewusst gewählt um den Blick auf den zentralen Punkt meines Programms zu lenken: Fähigkeiten aufzeigen und aktivieren, die eine konstruktive Interaktion ermöglichen und fördern.
Die Natur ist so großzügig, elterliche Kompetenz
Ich habe die natürlichen Entwicklungsprozesse seit 1978 analysiert und war mehr und mehr beeindruckt von der Tatsache, dass die Natur uns so ein spezielles, gezieltes und fein abgestimmtes Bild von allen Stufen im Entwicklungsprozess vorgibt.
Anhand eines Videos werde ich die konkreten Entwicklungsschritte zeigen und wie die Eltern/ Pfleger die Entwicklung natürlicherweise in der alltäglichen Kommunikation unterstützen. Dazu werde ich die Interaktions-Analyse benutzen, um zu demonstrieren, wie Eltern die Entwicklungsinitiativen ihrer Kinder wahrnehmen und unterstützen oder wie Eltern in strukturierten Situationen die Initiative ergreifen, um Struktur zu bieten und zu helfen, Verhaltensmodelle aufzubauen.
3. Hauptvortrag: Selbstorganisierte Strukturierung und nutzungsbedingte Modifikation neuronaler Verschaltungsmuster – Implikationen für die systemische Therapie gestörter Beziehungen
Die im menschlichen Gehirn angelegten neuronalen und synaptischen Verschaltungsmuster sind weitaus plastischer und an neue Nutzungsbedingungen anpassbarer als bisher angenommen. Eigene, in sozialen Beziehungen gemachte Erfahrungen sind die wichtigsten Trigger für derartige Strukturierungs- und Umstrukturierungsprozesse. Subjektive Bewertungen und die damit einhergehende Aktivierung emotionaler (limbischer) Systeme entscheiden über die Art und das Ausmaß der im Hirn ablaufenden Anpassungsprozesse. Diese subjektiven Bewertungen wiederum sind abhängig von bisher gemachten, frühen Erfahrungen bei der Bewältigung von Problemen und Herausforderungen (Selbstwirksamkeitskonzepte, Selbstbild, Halt- und Sicherheit-bietende Orientierungen). Sicherheit-bietende Beziehungserfahrungen und Erfahrungen der Verstehbarkeit der Lösbarkeit und der Sinnhaftigkeit von Problemen bilden die entscheidenden individuellen Ressourcen und Resilienzfaktoren zur Protektion gegenüber den destabilisierenden Wirkungen von Angst und Stress.
Diese neuen Erkenntnisse und Betrachtungsweisen bieten ein brauchbares, naturwissenschaftlich begründetes Gerüst für die Ableitung der Notwendigkeit präventiver Maßnahmen und für die Optimierung psychotherapeutischer Intervention. Sie beschreiben, was möglich ist, aber sie zeigen auch deutlich, dass die primären Ursachen von Fehlentwicklungen und Störungen - wie auch die Ansatzpunkte für Korrekturen nicht im Gehirn - sondern in den Umständen zu suchen sind, unter denen sich das individuelle Gehirn innerhalb des jeweils vorgefundenen sozialen, sozioökonomischen und soziokulturellen Beziehungsgefüges strukturiert. Damit tragen sie wesentlich zur Begründung und Stützung systemischer Ansätze bei.

