Symposien
Symposion 1:Systemische Therapie und Beratung mit alten Menschen - Lernen und Veränderung im Alter
Prof. Dr. Renate Zwicker-Pelzer u. Dr. Johannes Johannsen
Moderation : Maria Behr
Dr. Johannes Johannsen: Systemische Therapie und Beratung bei älteren Menschen
Psychotherapeutisch stehen für ältere Menschen eine ganze Reihe verschiedener Behandlungsverfahren zur Verfügung. Systemische Therapie/Familientherapie kommt immer dann vorrangig infrage, wenn das auffällige Verhalten eines Patienten in Zusammenhang mit seinen familiären Beziehungen bzw. seinem Bezugssystem zu sehen ist, was bei älteren Menschen häufig der Fall ist. Nach einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung der systemischen Therapie mit älteren Menschen werden ihre wesentlichen Grundlagen und das Vorgehen dargestellt. Die mit dem Alter und Altern verbundenen Wirklichkeitskonstruktionen werden ebenso erörtert wie die Beteiligung mehrerer Generationen.
Häufige Krisen- und Problemkonstellationen und unterschiedliche therapeutische Settings – Beratungsstelle, Ambulanz, teilstationäre und stationäre Behandlung – werden vor dem Hintergrund des ersten Gerontopsychiatrischen Zentrums in Köln beschrieben.
Fallbeispiele werden die Praxis illustrieren.
Prof. Dr. Renate Zwicker-Pelzer:Lernen und Veränderung im Alter
Ab wann sind Menschen alt? Wie gehen Systemiker mit dem Defizitmodell des Alterns um?
Sehen auch Systemiker Altern als Prozeß der Einbuße und des Verlustes von Leistungsfähigkeit unterschiedlichster Art an? Der Jugendlichkeitswahn scheint auch im Alter ihren Tribut zu fordern: ist so, dass „der größte Irrtum junger Menschen ihre Vorstellung vom Alter ist“?
Angesichts der Bevölkerungsentwicklung steht die systemische Fachwelt vor vielen neuen Herausforderungen.
Es geht in systemischer Beratung z B. darum, wie alternde Menschen trotz zunehmenden Einschränkungen ihr Leben permanent neu definieren lernen,
wie sie neue zufriedenstellende Arrangements mit den eigenen Begrenzungen sowohl persönlich, wie familial und im sozialen Netz finden können.
Die Potenziale des systemischen Ansatzes können wegweisende Schneisen in weitgehend unbeackerte professionelle Flächen schlagen...
Neue Fragen, neue Wege, neue Orte für die systemische Beratung zeigen sich an.
Symposion 2:DGSF - Kontrovers - Der Verband diskutiert ein aktuelles Thema
Referenten und Thema werden erst kurz vor der Jahrestagung bekannt gegeben. Wir wollen ein aktuelles Thema im Verband diskutieren. Auf dem Podium wird ein Mitglied des Vorstands und ein Protagonist, eine Protagonistin aus dem Verband diskutieren.
Symposion 3:Systemische Supervision - Neuronale und Organisationale Vernetzungen
Prof. Dr. Jörg Baur und Tom Levold:
Moderation: Petra Rechenberg Winter
Prof. Dr. Jörg Baur: Neurobiologie und Systemische Supervision
„You are your synapses. They are who you are“ (Joseph LeDoux) – “Die Vorstellung eines freien Willens ist reine Fiktion“ (z.B. Eric Kandel, Gerhard Roth). Mit solchen “provokanten” Thesen verstören bekannte Neurowissenschaftler die bislang in der Wissenschaft vorherrschenden anthropologischen und psychologischen Paradigmen und fordern zum Zuspruch oder Widerspruch heraus, jedenfalls zu einer eigenen Positionierung. Jörg Baur zeigt in seinem Beitrag bedeutsame anschlussfähige Bezüge aber auch Spannungsfelder auf zwischen aktuellen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen und dem systemisch-konstruktivistischen Supervisionskonzept.
Tom Levold: Der Geist in der Flasche. Was geschieht, wenn man Organisationen als Gehirne betrachtet
Das Gehirn ist heutzutage ein Paradebeispiel für eine selbstorganisierte, lernende Struktur, die ihre Organisationsform durch permanente Feedback-Prozesse aufrechterhält und den Anforderungen der Umwelt entsprechend modifiziert. Vor diesem Hintergrund liegt es nicht nur nahe, Erkenntnisse der Hirnforschung auf die Untersuchung und Beratung von Organisationen und ihrer Mitarbeiter anzuwenden, sondern Organisationen selbst als quasi intelligente, lernende Systeme zu konzipieren. Es zeigt sich aber, dass mit dieser Beobachter-Option (wie mit jeder anderen auch) nur Teilbereiche organisationaler Wirklichkeiten erfasst werden können. Der Vortrag zeigt Chancen und Grenzen von Gehirnmetaphern für die Beobachtung von Organisationen auf und untersucht, inwiefern sie für systemische Supervisions- und Beratungsprozesse nutzbar gemacht werden können.
Symposion 4:Systemische Kinder und Jugendtherapie - Verändern die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse die therapeutische Praxis?
Dr. Wilhelm Rotthaus
Moderation: Helmut Brinkmann
Dr. Wilhelm Rotthaus: Die Bedeutung der Neurobiologie für die Kinder- und Jugendlichentherapie
Bestätigen die Erkenntnisse der Neurobiologie aus den letzten Jahrzehnten eh nur das, was die "guten" Psychotherapeutinnen immer schon wussten? Dienen sie als modernes "schmückendes Beiwerk" für das, wovon man immer schon überzeugt war? Oder eröffnen sie neue psychotherapeutische Ansätze und Methoden, die möglicherweise über die Grenzen der verschiedenen Psychotherapieschulen hinausgehen? Revolutionieren sie gar die Psychotherapie?
Wertet man die bisherigen Befunde der Neurobiologie in ihrer Nützlichkeit für die Psychotherapie aus, so finden sich vor allem Hinweise auf die Gestaltung der Therapeutin-Klienten-Beziehung, das heißt: auf für einen positiven Therapieverlauf nützliche Einstellungen und Haltungen der Therapeutin, und die implizite und explizite Gestaltung des Therapieprozesses – Merkmale, die offensichtlich wichtiger sind als die heute von vielen Kollegen (siehe Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie) so favorisierten, empirisch validierten, störungsspezifischen Therapiemethoden. Warum dies besonders für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, sei es im Einzelkontakt oder im Familiensetting, gilt, soll im Einzelnen aufgezeigt werden.
Symposion 5:Systemische Sozialarbeit - Sich wehren bringt Segen
Prof. Dr. Herwig Lempp
Moderation: Renate Weihe Scheidt
Prof. Dr. Herwig Lempp : Sich wehren bringt Segen – Symposium zur Systemischen Sozialarbeit
Sozialarbeit lebt häufig davon, sich gegen scheinbar unabänderbare Gegebenheiten zur Wehr zu setzen. Aufgabe der Profis ist es, auch in zunächst festgefahrenen Situationen Veränderungsmöglichkeiten zu unterstellen („Du hast keine Chance – aber nutze sie!“) und sie anschließend herauszuarbeiten. Denn wer’s gar nicht erst probiert, hat womöglich schon verloren.
Dies gilt nicht nur für die Situation vieler verzweifelter und hoffnungsloser KlientInnen, sondern natürlich auch für die Bedingungen, unter denen SozialarbeiterInnen wirksam tätig sein sollen. Es lohnt immer, sich zu wehren – denn Veränderung findet kontinuierlich statt. Im Symposium werden wir Beispiele für Widerstand und politische Einmischung von SozialarbeiterInnen geben und daraufhin untersuchen, was wir daraus lernen können. Kolleginnen und Kollegen, die von eigenen Aktionen berichten können, sind herzlich eingeladen, sich vorher bei mir zu melden.
Symposion 6:Systemische Traumatherapie - Neue Wege für die Arbeit mit traumatisierten Menschen
Alexander Korittko und Karl-Heinz Pleyer:
Moderation: Inge Liebel-Fryszer
Wir denken, wir machen Erfahrungen, doch die Erfahrungen machen uns
Traumatischer Stress und seine Auswirkungen bei Kindern, Erwachsenen und in Familien.
Alexander Koritko: Kinder und Jugendliche, die uns mit extremen Verhaltensauffälligkeiten begegnen, sind oft die tapferen Überlebenden von traumatischen Ereignissen in ihren Familien und/oder in ihrem unmittelbaren Umfeld. Die Psychotraumatologie bietet zwar neue Erklärungs- und Lösungsansätze, konzentriert sich allerdings auf eine individuumszentrierte Sichtweise. In diesem Symposion sollen interpersonelle Aspekte bezüglich chronischer Stressbelastungen und ihrer Auswirkungen auf Kinder, Erwachsene und Familien erörtert werden. Zunächst soll die Theorie der neurobiologischen und individuellen Verarbeitung von traumatischem Stress durch eine systemische Perspektive ergänzt werden, die auch Lösungswege in Familien-Settings ermöglicht.
Karl-Heinz Pleyer: Anschließend soll aufgezeigt werden, wie sich traumatische Erfahrungen von Eltern und traumatische Belastungen auf Seiten des Kindes über die Zeit zu stabilen co-traumatischen Mustern verstricken können. Individuelle Bewältigungsstrategien gehen darin untrennbar mit permanenten Retraumatisierungen einher und kennzeichnen das Beziehungserleben zwischen Eltern und Kind. Herkömmliche Familientherapie gerät hier angesichts einer hohen Änderungsresistenz schnell an ihre Grenzen. Möglichkeiten eines traumabezogenen Elterncoachings als ergänzendem Baustein werden skizziert .
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