15.11.2016_Das Gehirn - ein Beziehungsorgan

Von der verkörperten Psyche zur Ökologie psychischer Störungen

Wenn Menschen denken, fühlen und handeln, tun sie dies weder als Konstrukte ihrer Gehirne noch als körperlose Geister, sondern als lebendige, leibliche Wesen. Diese Einsicht liegt dem Konzept des „Embodiment“, der Verkörperung zugrunde, das sich seit zwei Jahrzehnten in Philosophie, Sozial- und Kognitionswissenschaften zuneh­mend ausbreitet. Die Wechselbeziehungen von Körperprozessen und psychischem Er­leben, von Ausdruck und Gefühlen, Haltung und Persönlichkeit sind Gegenstand in­tensiver Forschungen. Aus der Perspektive einer „Embodied Cognitive Science“ ist das Gehirn weder der Schöpfer der erlebten Welt noch der Konstrukteur des Ich, son­dern vor allem ein Vermittlungsorgan für die Beziehungen eines lebendigen Organis­mus zu seiner Umwelt. Ohne seine Einbettung in den Körper und den Organismus als ganzen lässt es sich nicht angemessen begreifen. Vor allem unsere Beziehungen mit anderen Menschen verändern das Gehirn fortlaufend und machen es zu einem biogra­phisch und sozial geprägten Organ. Fazit: Es ist nicht das Gehirn für sich, sondern der lebendige Mensch, der fühlt, denkt und handelt.

 

Der Vortrag gibt zunächst einen Überblick über das Embodiment-Konzept in seiner Bedeutung für psychisches Erleben und entwickelt eine alternative Theorie des Ge­hirns als Beziehungsorgan. Im Workshop wird die Thematik dann vertieft und auf wei­tere Fragen bezogen. Dazu gehören insbesondere eine Darstellung des verkörperten Gedächtnisses sowie eine ökologische Konzeption psychischer Krankheit. Das Fazit: Psychische Störungen lassen sich prinzipiell nicht auf Gehirnkrankheiten reduzieren. Die Konsequenzen dieser Konzeption für das Verhältnis von Neurobiologie und Psy­chotherapie werden aufgezeigt.

 

Referent:

Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs ist Karl-Jaspers-Professor für Philosophie und Psychiatrie und leitet die Forschungssektion „Phänomenologische Psychopatho­logie“ an der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Forschungsschwerpunkte: Phänomenologische Anthropologie und Psychopathologie, Theorie der Neurowissen­schaften.

Buchveröffentlichungen u. a.:Leib, Raum, Person (2000); Psychopathologie von Leib und Raum (2000); Zeit-Diagnosen (2002); Leib und Lebenswelt (2008). Das Gehirn – ein Beziehungsorgan. (5. Aufl. 2015).

 

 

Organisatorisches

Referent/in:Thomas Fuchs
Termin:Di, 15.11.2016
Ort:Essen
Dauer: 1 Tage / 8 UStd.
Kosten:

98,00 EUR *

90,00 EUR für DGSF / SG - Mitglieder

In den Kosten sind ein Mittags-Imbiss und Pausengetränke enthalten.
PTK - Fortbildungspunkte:

Dieser Fachtag wurde durch die Psychotherapeutenkammer NRW als Fortbildungsveranstaltung akkreditiert.

Approbierte Psychotherapeuten/innen können sich 6 Fortbildungspunkte anrechnen lassen.

* TeilnehmerInnen und AbsolventInnen von mehrjährigen ifs-Weiterbildungen zahlen den reduzierten Preis, wenn Sie bei der Buchung im Buchungsformular unter „Zusatzinformationen“ ihre ifs-Kursnummer angeben!